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In die Sonne schauen: Ist das riskant?

Einmal kurz in die Sonne blicken – kann das schon den Augen schaden? Die Antwort vom Augenarzt
von Gerlinde Gukelberger-Felix, 11.07.2017

Die Sommersonne ist ein schöner Anblick – auch eine Gefahr für die Augen?

dpa Picture-Alliance/Westend61/Uwe Umstätter

Ohne Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Und gerade im Sommer freuen wir uns, wenn sie scheint. Die Versuchung ist groß, zum blauen Himmel zu blicken – und damit womöglich direkt ins Sonnenlicht. Ist das eigentlich riskant für unsere Augen? Die Antwort lautet: Ja – kann durchaus gefährlich sein.

Sonnenlicht setzt sich aus unterschiedlichen Anteilen zusammen: Es besteht aus sichtbarem Licht mit Wellenlängen von 380 bis 780 Nanometern, längerwelliger Infrarot-Strahlung und kurzwelliger, sehr energiereicher UV-Strahlung. Vor allem die hochenergetischen Lichtanteile können das Auge schädigen. Schlimmstenfalls droht ein Sehverlust bis hin zur Erblindung.

Verbrennung durch Lupeneffekt im Auge

Unser Auge hat von Natur aus lichtbrechende Anteile. Sie fokussieren das eintretende Licht auf die Netzhautmitte – auf die Stelle des schärfsten Sehens. Das Auge wirkt also ähnlich wie ein Brennglas. Schaut man ungeschützt in die Sonne, bündeln sich die energiereichen Strahlen und entfalten eine starke Wärmeeinwirkung. Das schädigt die Sinneszellen der Netzhaut. Je nach Ausmaß bleibt eine Narbe zurück.

"Wo eine Narbe auf der Netzhaut ist, sieht der Mensch nichts. Besonders ungünstig ist, wenn diese Narbe wie in diesem Fall genau im Zentrum des Sehens ist", warnt Augenspezialist Professor Horst Helbig, Direktor der Universitätsaugenklinik in Regensburg. Dann sieht man im zentralen Gesichtsfeldbereich beispielsweise nur noch einen dunklen Fleck.

Normalerweise greift ein Schutzreflex

Im Normalfall verfügt der Mensch praktischerweise über einen Schutzreflex. "Wird es ihm zu grell, verengen sich seine Pupillen, kneift er die Lider zusammen, so wie er das beim Fotografieren mit Blitzlicht ebenfalls macht", sagt Helbig. Oft wenden wir uns außerdem instinktiv von der Lichtquelle ab.

Einmal kurz in die Sonne blinzeln – das bleibt also meistens ohne Folgen. Kritisch wird es jedoch, wenn dieser Schutzreflex außer Kraft gesetzt wird. Das kann bei manchen Erkrankungen passieren, nach dem Konsum der halluzinogenen Droge LSD oder wenn ein Laserstrahl direkt ins Auge geht – etwa von einem zu starken oder unsachgemäß eingesetzten Laserpointer.

Ebenfalls gefährlich: Das Beobachten einer Sonnenfinsternis. Dabei wird die Sonnenscheibe nach und nach vom Mond verdeckt. Das Naturschauspiel verführt dazu, direkt in die Sonne zu sehen. Weil das Licht langsam abnimmt, greift der Schutzreflex womöglich nicht mehr richtig. Wer keine Spezial-Schutzbrille trägt, riskiert sein Augenlicht. Auch verrutschte oder defekte Spezialbrillen stellen eine ernste Gefahr für die Augen dar.

UV-Strahlung macht schneeblind

Sonnenlicht gefährdet aber nicht nur die Netzhaut. Zu viel UV-Strahlung kann die Hornhaut des Auges reizen oder oberflächlich verbrennen, ähnlich wie bei einem Sonnenbrand auf der Haut. Der Effekt ist auch als Schneeblindheit bekannt und macht sich nach etwa sechs bis acht Stunden bemerkbar. Die verletzte Hornhaut verursacht starke Schmerzen, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit und ein ausgeprägtes Fremdkörpergefühl. Die Augen tränen, sind rot und brennen. Auch eine Lidschwellung, ein Lidkrampf oder Sehstörungen kommen vor.

"Doch so wie ein einzelner Sonnenbrand noch nicht Hautkrebs verursacht, hinterlässt eine Hornhautverbrennung noch keine bleibenden Schäden", sagt Helbig. Generell gilt trotzdem: Wer Schmerzen oder Schwellungen am Auge oder Sehstörungen bemerkt, sollte sich zügig vom Augenarzt untersuchen und behandeln lassen.

Chronische UV-Exposition trübt die Linse

Problematisch ist es auch, wenn die Augen über Jahre regelmäßig intensivem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Besonders hoch ist die UV-Intensität zum Beispiel im Gebirge, aber auch bei Lichtreflexionen durch Wasser, etwa beim Segeln und Surfen oder durch Schnee, zum Beispiel beim Skifahren.

Auf Dauer kann es so zu chronischen Veränderungen in der Augenlinse kommen. Sie enthält elastisches, durchsichtiges Gewebe, damit sie sich beim Wechsel von Fern- auf Nahsicht und umgekehrt verformen und das Licht entsprechend durchlassen kann. Die in der Linse befindlichen Zellen und Eiweißstoffe nehmen unter anderem durch eine chronische UV-Belastung Schaden. Die Folge: Die Augenlinse trübt sich ein, ein sogenannter grauer Star entsteht. Die Linse muss schließlich in einem Eingriff durch eine neue, künstliche Linse ersetzt werden, um die Sehkraft wiederherzustellen.

Sonnenbrille: Seitenschutz nicht vergessen

Auch gut- und bösartige Veränderungen auf der Augenoberfläche können eine Folge regelmäßiger UV-Exposition und der aufsummierten Schäden sein. Helbig rät, die Augen konsequent mit einer guten Sonnenbrille vor Strahlung zu schützen. Zum UV-Schutz gehören für ihn nicht nur die geeigneten Gläser, sondern auch ein Seitenschutz an der Brille. "UV-Strahlung kommt auch von der Seite und von unten. Das wird leider häufig unterschätzt", so Helbig.

Nicht zuletzt sollten die Augen auch vor Infrarot-Strahlung geschützt werden – etwa bei einer Wärmeanwendung mit Rotlicht im Gesichtsbereich. Immer auf die Herstellerangaben und den angegebenen Sicherheitsabstand achten. Oft wird eine passende Schutzbrille empfohlen oder schon mitgeliefert.



Bildnachweis: dpa Picture-Alliance/Westend61/Uwe Umstätter

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